Liebe Gäste in der Heldenküche – Sebastian Hannak

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So langsam wird es doch eine schöne Runde in der Heldenküche. Nachdem uns schon Ulli (Köchin und Regionalentwicklerin), Norbert (Illustrator, Comic- und Legefilmzeichner) und Mario (Autor) in unserer Küche besucht haben, gesellt sich heute Sebastian Hannak dazu. Kennengelernt haben wir ihn und seine  Familie in unserem letzten Sommerurlaub. Ganz schnell war klar, mein Held und Sebastian sind beide leidenschaftlich in der Küche unterwegs. Ist doch herrlich, oder? Als hätte man manche Dinge einfach auf der Stirn tätowiert. Da braucht es nicht viele Worte und viel Zeit. Ist ganz einfach klar: Mit dem kann man kochen.

Und weil wir auch außerhalb des Urlaubslebens gar nicht weit auseinander wohnen, haben wir uns nach dem Urlaub getroffen und zusammen gekocht. Das heißt, die Kinder haben gemeinsam das Haus auseinander genommen, die Frauen haben mit diversen alkoholischen Getränken in der Hand den Männern beim Kochen zugeschaut und wir haben ganz herrliche Dinge gegessen. Klar, dass ich Sebastian auch zu meiner Gästerunde auf dem Blog eingeladen habe. Und ich freue mich ganz besonders über seinen schönen Beitrag. Denn Sebastian ist nicht nur ein leidenschaftlicher Hobbykoch sondern hat auch noch einen wunderbaren Beruf. Er ist nämlich Bühnenbildner.

Lieber Sebastian, wie kamst du eigentlich zum Bühnenbild? Bist du familienvorbelastet oder gab es einen „Magic Moment“ in deinem Leben, seit dem du weisst „Das ist es“?
Bildsprache hat mich früh fasziniert. Mich hat alles angesprochen, was visuell aufregend war. Angefangen bei Graffiti – ich war selbst lange in der Graffitiszene aktiv – über verquere Sammelsticker, Bildbände von den Palästen Venedigs, Walt Disneys Lustige Taschenbücher. Dort gibt es Fassungen von Aida, Hamlet, Der fliegender Holländer….

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Das Internet gab es ja noch nicht, und auch nicht so viele Printerzeugnisse wie heute, dadurch waren Bücher für mich etwas Wertvolles.

Print mag ich noch immer, ich drucke auch immer noch mein Portfolio als Buch. Gleichzeitig nutze ich verstärkt das Internet und die dortigen Plattformen als Informationsmedium, Inspirationsquelle, oder zur Kommunikation.

portfolio

Ich habe Bühnen- und Kostümbild an der Kunstakademie Stuttgart studiert, aber erst, nachdem ich mich in Berlin für Malerei beworben hatte und abgelehnt wurde. Das Bühnenbild genau mein Ding ist, habe ich gemerkt, als ich bei dem Bühnen- und Kostümbildner Hans-Martin Scholder hospitiert und assistiert hatte, für Oper und Ballett. Mein Einstieg war gleich in die der großen Bilder und Musik, und die Musik birgt nochmal eine ganz eigene Faszination. Mozart, Alban Berg, Bartok, Richard Strauss waren mir sehr wichtige Einstiegshilfen, es waren jeweils so extreme Musiken, dass die Bühnenarbeiter bei den Bühnenorchesterproben wünschten, die Proben mögen bald zuende sein – bei Strauss´ Frau ohne Schatten – was eine wunderbare und komplexe Musik ist!

froschFrau ohne Schatten, Staatstheater Darmstadt 1999 mit Hans-Martin Scholder links im Bild,
ich daneben kniend

Die Musik war so ein Magic Moment, bei dem ich dachte, dass ich daran auch teilhaben möchte. Damals, also um 1998, war Oper beruflich eher im Spätwerk angesiedelt. Ich dachte also, bevor ich 50 bin, lande ich da niemals. Aber schon bald wurden auch junge Regisseure mit Opern angetraut, und so kam ich zu meinem „Traumberuf“. Ich habe mit Musiktheater angefangen, dann kam Tanz dazu und dann Schauspiel. Mittlerweile arbeite ich ungefähr gleichviel für die verschiedenen Sparten.

Daneben mache ich auch immer wieder grafische Arbeiten, zum Beispiel 2008 die Titelseiten für ein Theaterfachmagazin, Programmheftbeiträge, Plakate…

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Die Bühnenbildnerei ist ja nicht nur ein „Kopf“beruf sondern auch solides Handwerk. Bewegte Bühnenbilder müssen ja technisch umsetzbar sein. Was macht dir am meisten Spaß daran?
Zum Glück arbeiten am Theater Menschen, die die Ideen, die ich als Bühnenbildner an sie herantrage, ernst nehmen und versuchen, eine Lösung dafür zu finden. „Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit“ sagte Karl Valentin.

Es ist schön zu sehen, wie sich eine Idee verwirklicht: Die Idee ist ja erst in meinem Kopf, dann auf dem Papier, dann im Modell, dann stelle ich es dem Theater vor. Nach einer Premiere, wenn ich wieder in meinem Atelier bin und an den kommenden Projekten arbeite, archiviere ich noch das eben zuendegegangene Projekt und gehe meine ersten Aufzeichnungen durch, um festzustellen, dass irgendwo die Kernidee schon angelegt war, manchmal ganz konkret, manchmal als Ideenskizze.

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Skizze zu Jakob der Lügner, Staatstheater Karlsruhe 2012

Daraus werden technische Pläne, nach denen ein 1 zu 1 Modell erstellt wird bei der sogenannten Bauprobe, bei der das Bühnenbild das erste Mal getestet wird – das entspricht einer Machbarkeitsstudie.

Spaß macht mir erst die gelungene Premiere, wenn der Kraftakt geschafft ist und sich das Werk zu einem gelungene Ganzen fügt, bei dem das Bühnenbild ein Teil des Ganzen ist. Und danach bin ich ja schon wieder weg.

jakobklJakob der Lügner, Staatstheater Karlsruhe 2012

Klappt der „Zauber“ immer? Ich meine, man hat doch eine bestimmte Stimmung im Kopf, die das Bühnenbild rüberbringen soll. Zündet das beim Publikum immer? Oder gab es auch schon einmal Momente, die nicht so geklappt haben, wie du dir das vorgestellt hast?
Es gibt ein hervorragendes Buch, es heisst Kulinarische Katastrophen und handelt von berühmten Köchen, die beruflich in grandiose missliche Lagen gekommen sind: 1000 Hummer sterben über Nacht vor dem Abendmenü für 3000 Personen, ein Catering für 350 Personen kommt 1 Tag zu früh zum Gastgeber… Daran denke ich gerne, wenn bei der Generalprobe alles schief läuft. (Eine Theaterregel besagt, das eine Generalprobe schieflaufen muss). Es erinnert mich, dass überall nur mit Wasser gekocht wird, dass man manche Situationen nicht mehr in der Hand hat. Das sind die Dinge, die einerseits die Wahrnehmung der Zuschauer beinflussen: technische Defekte, menschliches Versagen. Das Andere ist, schlicht anderer Meinung zu sein: natürlich polarisiert eine gewisse Ästhetik, aber das ist nicht alleine das Bühnenbild, sondern die gesamte Anlage der Inszenierung. Theater hat ja, wie zum Beispiel Essen gehen auch, immer mit Erwartung zu tun, und wenn die nicht erfüllt wird, warum auch immer, zündet es weniger als wenn man rundum zufrieden ist – man hofft ja im Restaurant auch, daß es lecker ist, den Vorstellungen entspricht, dem Preis gerecht wird, dem Ruf…etc.

Wie lange arbeitest du an einem Bühnenbild?
Zwischen 3 Tagen und 3 Jahren! Aber das ist das Extrem. Meistens ist es ca. ein Jahr oder weniger. Oper hat meist mehr Vorlaufzeit, ebenso große Ballette, aber es gibt auch eingeschobene Projekte, da schmilzt die Zeit schonmal…Grundsätzlich arbeite ich an mehreren Projekten gleichzeitig, nur die Endprobenzeit bis zur Premiere von ca. 2 Wochen überschneidet sich nicht, in der auch die Beleuchtung gemacht wird, an der ich auch beteiligt bin.

Welches ist dein bisheriges Lieblingsbühnenbild?
Ich bin über die am glücklichsten, die trotz aller Bedenken genau so realisiert werden können, wie ich sie mir vorgestellt habe. Da liegt das Ballett MOMO, bei dem ich den Choreografen nicht kannte, 3 Tage Zeit für den Entwurf hatte und 3 Monate bis zur Premiere, jedenfalls weit vorn.

momoklMOMO, Staatstheater Karlsruhe 2012

Gibt es ein Traumstück, für das du gerne mal das Bühnenbild machen würdest?
Daran habe ich schon gearbeitet, aber es wurde abgesagt. Ich hatte mir zu der Zeit auch eine Uhr gekauft, die den Namen des Komponisten, Wagner, auf dem Ziffernblatt hatte, aber sie bleibt immer stehen und das Uhrwerk verhakt sich – es hat nicht sollen sein. Ich arbeite immer leidenschaftlich an allen Stücken, die ich mache und versuche das Beste daran rauszuholen. Das macht mir jedes Stück, an dem ich arbeite, wichtig.

wagneruhr

Was ist typisch für deinen Beruf?
Typisch ist, im Atelier räumliche Ideen aufgrund einer Vorlage wie z.B. Text, Musik und Gesprächen mit dem Regisseur zu entwickeln, diese Ideen anhand eines Modells dem jeweiligen Theater vorzustellen, ggf zu verändern und die Ausführung in den theatereigenen Werkstätten zu überprüfen. Während das Stück auf der Probebühne erarbeitet wird, gibt es auch nur ein Probebühnenbild. Im originalen Bühnenbild wird dann nur etwa 1 Woche geprobt, in dieser Zeit wird es auch beleuchtet, dann ist Premiere. Typisch ist zudem, dass ich viel reise, in der Endprobenzeit vor Ort wohne, in dieser Zeit viel mit Menschen viel zu tun habe, die ich meistens vorher nicht kannte, und danach am nächsten Stück weiterzuarbeiten.

Welche Irrtümer verbinden Menschen mit deinem Beruf? Was wirst du häufig gefragt?
Das kann man studieren?
Bist Du dann Schauspieler?
Und das baust du alles selbst?
Musst Du da auch kreativ sein, also Zeichnen und so?

foto modell

Mein ehemaliger Professor Jürgen Rose erzählte einmal, er sollte für ein Amt seinen Beruf angeben, und aus einem Missverständnis und Unverständnis wurde daraus „Bienenbildner“. Bei der Berufsunfähigkeitsversicherung gibt es übrigens den Beruf Bühnenbildner nicht. Wir sind in einer Kategorie mit Dachdeckern – auch vom Gefahrenzuschlag her. Dabei halte ich beruflich keinen Hammer in der Hand.

Was wünscht du dir für die Zukunft?
Kulturverständnis und Offenheit zum Fortbestehen des hier in Deutschland in einer solchen Vielfalt bestehenden, weltweit einmaligen Berufsfeldes Theater.

Und um ein REZEPT ….
….lasse ich mich natürlich nicht lange bitten, denn ich koche selbst leidenschaftlich gerne, und besonders mag ich dieses Rezept nach Vincent Klink, das ich mit Seeteufel zubereite:

zanderrezept

Zutaten
2 Zanderfilets oder 1 Seeteufelfilet, ca 500 gr.
frisch gemahlener Pfeffer, grobes Meersalz
dünne Scheiben Bauchspeck oder anderer roher Schinken
etwas Butter, ½ Stange Porree, 1 handvoll Salbeiblätter,
¼ L Fischfond, ca 100 gr. Brombeeren, 2 EL Balsamico

Zubereitung
Die Seeteufelfilets in nicht zu kleine Würfel schneiden, leicht pfeffern und salzen. Jeweils mit den Speckscheiben umwickeln. Rundum braun anbraten, etwas in der Pfanne ruhen lassen, aus der Pfanne nehmen. Etwas Butter in die Pfanne geben, Porree mit Salbei darin 5 min. dünsten. Fischfond dazugeben, etwas einkochen, Brombeeren und Balsamico dazu, mit frischem Pfeffer würzen, mit etwas kalter Butter binden. Dazu Weissbrot und z.B. kräftigen Pfälzer Riesling.

Und da ich auch Kochbücher sammle, hier ein Dekorationsvorschlag für die Festtafel vom Anfang des 20 Jahrhunderts- dann allerdings mehr als 500 gr. Fisch rechnen!

festtafel

 

Vielen Dank, lieber Sebastian für das schöne Interview!

Wer noch mehr über Sebastian Hannak erfahren möchte schaut mal hier vorbei:

www.sebastianhannak.com
http://www.pinterest.com/sebastianhannak/
http://sebastianhannak.tumblr.com

 

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