Liebe Gäste in der Heldenküche – Norbert Höveler

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Heute kann ich wieder einen tollen Gast in der Heldenküche begrüßen. Er heißt Norbert Höveler und ist Comiczeichner. Vielleicht kennt ihr seinen Namen nicht aber ich würde wetten, dass nahezu jeder ein „Werk“ von ihm zu Hause hat. Er hat nämlich die Paula Kuh auf dem Pudding gezeichnet und vielen Milka Weihnachtsmännern das verschmitzte Lächeln ins Gesicht gezaubert. In den 80ern hat er mit der Comic-Serie Café Cash-mir großen kommerziellen Erfolg gehabt. Ich kenne Norbert schon ewig lang. Ich war damals kleine Layouterin in einer Werbeagentur und Norbert wurde oft frei gebucht und hat bis in die Nacht die schönsten Zeichnungen gemacht und damit so manche Präsentation gerettet.

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Lieber Norbert, Comiczeichner ist für ganz viele ein Traumberuf doch nur wenige schaffen es, damit auch ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Wie verlief deine Karriere so und was ist das Geheimnis deines Erfolgs?
Eigentlich ganz unspektakulär: Ich habe schon immer gern gezeichnet, zu Hause alles vollgekritzelt, was mir unter die Finger kam und mir beim Führen meiner Schulhefte besonders am Rand große Mühe gegeben. Meine Eltern hatten da wohl gar keine andere Möglichkeit, als das zu fördern. Also bin ich nach der Schule in den Gestaltungsbereich und habe später Visuelle Kommunikation studiert. Nebenbei schon gleich in Werbeagenturen gejobbt. Mit der Zeit habe ich mich auf den Comicstil spezialisiert und mich als Illustrator selbstständig gemacht. Ich habe schon immer gern für die Werbung gearbeitet, Werbung mit Comicfiguren gestaltet, nebenbei dann mit anderen Werbern die Comicserie Café Cash-mir aus der Taufe gehoben und die wurde durch ihren großen Erfolg wider Erwarten zur Haupteinnahmequelle. Aber meine Werbewurzeln habe ich nie verlassen.

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„Geheimnis meines Erfolges“ Uiiih! Das hört sich ja an!…Erfolgreich ist, nach einem chinesischen Sprichwort, ja der, der von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang zufrieden ist! Wenn das so ist, ja, dann bin ich wirklich erfolgreich! Denke, so einen Job kann man eigentlich nur mit Leidenschaft machen. Ich bin ein positiver Mensch, habe meine Leidenschaft zum Beruf gemacht und sehe jeden neuen Tag als Geschenk und Herausforderung, dafür bin ich dankbar. Jeder Tag ist praktisch erstmal das neue weiße Blatt Papier, welches ich gestalte, bzw. auf dem jetzt was passieren muß, an dem ich selbst beteiligt bin…aber bevor ich hier zu sehr philosophiere: … denke einfach, zumindest höre ich das auch schon mal von anderen, dass man meinen Comic-Figuren eine gewisse fröhliche Lebenseinstellung ansieht!?.

Was oder wer inspiriert dich, gibt dir Anstöße und Motivation, in dem was du tust?
Du kennst das ja selbst: wir in den sogenannten „kreativen“ Berufen arbeiten ja eigentlich irgendwie ständig. Unser Kopf ist immer voller bunter Bilder! Immer denken wir uns was aus und sind oft sehr vielseitig interessiert. Jede ganz normale Alltagssituation bietet Inspirationen und hat oft für den Comiczeichner so seine eigene verborgene Komik. Diese gilt es zu entdecken. Die trüben oder gar traurigen Momente mal als Comic zu sehen, hilft einem oft prima durchs Leben.

2-13_zu_spät_3 Die größte Motivation kommt eigentlich daher, dass man ständig Neues dazu lernt. Man probiert fremde Techniken, lernt andere Kollegen kennen mit neuen Einflüssen und natürlich sind es immer wieder andere Produkte und neue Auftraggeber mit immer anderen Anforderungen. Man bleibt in Bewegung es gibt keinen Stillstand, bleibt auch immer neugieriger „Schüler“ Das macht es so spannend!

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Viele denken, dass heute nur noch alles digital und am Rechner erstellt wird. Du arbeitest ganz bewusst „analog“. Beschreib doch kurz deine Arbeitsweise.
Eigentlich arbeite ich noch so wie der alte Dürer das schon tat. Mit Bleistift auf Papier vorzeichnen und dann tuschen. Colorieren mit Markern (das sind so was wie etwas bessere Filzstifte) Warum auch nicht? Zeichnen ist ein „sinnlicher Prozess“. Und das soll man auch in den fertigen Zeichnungen erkennen. Auch der Weg ist das Ziel. Da ich schon sehr lange, viel und gerne zeichne, wäre es furchtbarer Stress NUR rasch das Ergebnis, die fertige Zeichnung vor Augen zu haben. Ich bin ja keine Fabrik. Natürlich liefere ich meine Zeichnungen termingerecht. Der oft aufwändige Entwicklungsschritt bis zur Ablieferung bleibt dem Betrachter ja verborgen. Es entstehen da beim Herumscribblen und Experimentieren oft neue Ideen. Ein zu großer Einsatz von digitaler Technik macht mir einfach keinen Spaß! und er macht aus einer „richtigen“ Zeichnung oft einfach nur ein „Bild“. Rechner-Bilder sind mir persönlich oft einfach zu steril und die ständige Möglichkeit zu korrigieren und zu „verbessern“ nimmt etwas von der Herausforderung. Natürlich nutze ich die digitale Technik, aber eher unauffällig zur Nachbearbeitung und zum Versand. Zeichnen – und somit mein Broterwerb – hat auch was mit Entspannung und Meditation zu tun Deshalb ist es wohl ein „Traumberuf“. Einer Zeichnung sollte man ruhig ansehen, dass sie von Hand gemacht ist und dass sie mit viel Liebe zum Beruf entstanden ist.

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sketchcinema und speedcinema sind die Projekte, an denen du zur Zeit arbeitest. Was ist das genau?
scetchcinema sind sogenannte „Legefilme“. Dabei werden Zeichnungen ausgeschnitten und mit den Händen hin- und hergeschoben.Das kombiniert man mit Geräuschen und erklärenden Texten aus dem Off. Ein ganz herrlicher Kontrast zu super aufwändigen Animationen mit digitalen Special-Effects. Ganz ehrlich und direkt, sehr charmant und ein wenig „old school“. Beim speedcinema zeichne ich live und mein Arbeiten wird mit einer oben fest installierten Kamera aufgenommen, später geschnitten und vertont. Bereits gezeichnete Figuren können animiert in den Prozess eingebaut werden. So kann z.b. eine Figur durchs Bild laufen, während meine Hand weiter am Umfeld zeichnet. Einfach loszeichnen und dabei gefilmt werden. Ein irrer Spaß und sehr anstrengend. Ich arbeite voll konzentriert und ohne Vorzeichnungen. Eine weitere Steigerung ist, das ganze live auf Veranstaltungen zu machen. Wir bauen all unser Equipment auf und lassen uns bei dem Prozess über die Schulter schauen. Es entstehen dabei Karikaturen der Veranstaltungsteilnehmer, die diese dann mit nach Hause nehmen können. Sehr schön mitzuerleben, wie sich die Teilnehmer nahezu kindlich darüber freuen.

 

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Bei all den „süßen“ Dingen, die du so entwickelst, bist du schokoladensüchtig? Oder beisst du lieber in eine ordentliche Stulle?
Ehrlich gesagt: Ich bin nicht wirklich Fan von süßen Sachen. Sind nicht so mein Ding. Natürlich hab ich „meine“ Produkte mal gekauft und auch probiert. Aber doch eher, um die Verpackungen als Belegexemplare zu haben. Ja, das mit der „ordentlichen Stulle“, am besten Vollkornbrot, trifft es schon sehr gut. Aber ich stehe zu und hinter all den Produkten für die ich werbe. Wir haben schon in der Agentur Werbung für vergleichbare Süßigkeiten abgelehnt, weil wir aufgrund der Inhaltsstoffe nicht dahinter standen. Obwohl das Angebot wirtschaftlich verlockend war. Wir sind alle selber Eltern und werben für nichts, was wir unseren eigenen Kindern nicht auch geben würden. Man darf nicht vergessen: Schokolade, Pudding und Co. sind KEINE Grundnahrungsmittel. Sie sollennicht das vollwertige Pausenbrot ersetzen. Diesen Anspruch müssen sie daher auch gar nicht erfüllen, da gibt es leider manch eine unfaire Kampagne gegen diese Produkte.

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Hmmm… es ist einfach nur was Leckeres für zwischendurch, es hat was mit „Genuss“ zu tun…und das macht das Leben doch einfach sooooo viel lebenswerter, oder nicht?!

Lieber Norbert es war mir eine extragroße Freude mit dir zu plauschen und ich nehme ein großes Stück deiner positiven Gelassenheit mit. Während unseres Gesprächs hat es gefühlte 53mal „pling“ in meinem Kopf gemacht und ich freue mich über die Inspiration, die einem ein schönes Gespräch mit so tollen Menschen gibt. Wer noch ein wenig mehr von dir lesen möchte kann es in den folgenden links tun:
Messe Intercomic in Mülheim
Website Norbert Höveler
Facebook Norbert Höveler
Speedcinema, Sketchcinema und Live Comic Art

Und zum Schluss noch mein persönliches Lieblingsbild. Norbert hat es vor genau 7 Jahren gezeichnet. Damals war ich schwanger mit unseren Zwillingen und brauchte eine Karte, um meinen Kunden meine Babypause mitzuteilen. Viele fanden die Zeichnung so schön, dass sie sie ewig aufgehoben haben. Ich auch 🙂

Dicke

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