Liebe Gäste in der Heldenküche – Christian Matzerath

Christian Matzerath und Max Fiedler mit ihrem Käfermädchen Luna.
Christian Matzerath und Max Fiedler mit ihrem Käfermädchen Luna.

Heute freue ich mich ganz besonders über meinen Besuch in der Heldenküche denn ich kann euch einen uralten Freund vorstellen, den wir viel zu selten treffen, weil er nämlich in unserer Herzensstadt Düsseldorf wohnt, in der wir lange gelebt haben. Bis nach Wiesbaden kommt man leider nicht mal eben so auf ein Bier und so müssen wir schon ordentlich was auffahren, wie zum Beispiel unsere kleine Hofsause im Sommer, damit wir Besuch von alten Freunden aus Düsseldorf bekommen. Christian Matzerath ist Schriftsteller und TV-Autor und hatte sein neues Buch Das Supertalentier – Lunas großer Auftritt im Gepäck. Nicht nur unsere Zwillinge sind hellauf begeisert von den Abenteuern des kleinen Käfermädchens Luna.

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Auch ich bin sehr verliebt, denn das Buch ist so liebevoll und großartig illustriert von Max Fiedler und jede einzelne Seite so wunderschön gestaltet.

Lieber Matze, dein neues Buch handelt von einem kleinen Bombardierkäfermädchen, deren angeborenes Talent stinkende Pupse sind, in der aber so viel mehr steckt und die mit Hilfe ihrer Freunde ihren Weg geht und spannende Abenteuer besteht. Wie kamst du gerade auf ein Bombardierkäferchen als Heldin der Geschichte?

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Das war vor ein paar Jahren, als die Casting-Show-Welle losging, „Deutschland sucht den Superstar“ und so. Es hat drei Staffeln und andere Shows (Supertalent und co.) gebraucht, bis mir beim Durchsehen meiner „Schublade mit unbenutzten und abgelegten Ideen“ eine alte Bilderbuchidee in die Hände fiel und ich dachte: Castingshow mit Tieren! Supertalent … Supertalentier! Ich liebe diese Momente, in denen eine Idee angeflogen kommt. Ich werde dann richtig euphorisch. Ich überlegte mir also viele lustige Momente, in denen Tiere auf einer Bühne auftreten und singen, tanzen, Kunststücke oder ihr Talent aufführen. Unter anderem auch ein Bombardierkäfer, dessen Talent es ist zu pupsen (wie Mr. Methan, der tatsächlich bei Castingshows aufgetreten ist). Und dann kam die nächste Idee angeflogen: Die Castingshow ist eine Intrige der Jury: drei Wölfe. Die Wölfe haben die Show aufgezogen, damit ihnen die Beute mal nicht davonrennt, sondern ihnen geradezu in die Arme läuft. 
Wenn man erstmal gute Antagonisten hat, hat man auch fast schon eine Geschichte. Jetzt braucht man nur noch einen geeigneten Protagonisten, einen Helden, der die Bösen besiegt. Ich mag Underdogs und ich mag Geschichten, in denen das Böse übermächtig ist, aber eine gewisse Chance braucht der Held natürlich. Etwas Heldenhaftes. Ein Bombardierkäferchen hat genau das. Ich stellte mir die üblichen Fragen, wer ist dieses Käferchen, warum tritt es bei DST auf, wer sind seine Freunde, und je mehr ich über das Käferchen nachdachte, umso „kleiner“ dachte ich es: Die Geschichte beginnt folgerichtig mit der Geburt, als winziges, weißes Ei. Und noch bevor das Ei überhaupt einen Namen hat, landet es im Maul eines Zaunkönigs …

Das Buch bezaubert nicht nur durch die herrliche Geschichte sowie kleine Schmunzler, die für die erwachsenen Vorleser versteckt sind und viel Lehrreiches aus der Kleingetierwelt sondern ist auch noch wunderschön illustriert von Max Fiedler. Das geht schon im ersten Kapitel, das du gerade angesprochen hast, ganz groß los mit einer magischen Szene in der Nacht: wie habt ihr zusammengearbeitet? War die Geschichte ganz fertig und Max hat illustriert? Oder habt ihr die Geschichte mit den Illustrationen gemeinsam entwickelt?

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Ich arbeite mit Max zusammen, seitdem du ihn mir als Illustrator für ein App-Projekt empfohlen hast. Seit 2011 kreieren wir gemeinsam das VDIni-Club-Magazin, ein Technik-Magazin für Kinder. In dieser Zeit haben wir uns prima aufeinander eingespielt. Max weiß ziemlich gut, was ich mir vorstelle, quasi gedankenlesermäßig, und zeichnet oft genau die Bilder, die ich vor meinem inneren Auge gesehen habe, nur viel viel schöner. So war das auch bei „Das Supertalentier„. Während ich die Geschichte schrieb, hat er angefangen zu zeichnen. Erst hat er die Figuren entwickelt und die Welt, also die Motive der Wiese, dann hat er erste Szenen gezeichnet. Und jedesmal, wenn er neue Zeichnungen präsentiert hat, war das wie Weihnachten und Geburtstag zusammen. Max‘ größtes Verdienst ist, die Geschichte, die ja in der Nacht spielt, hell, ja leuchtend illustriert zu haben.

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Zudem hab ich ihn mit der sehr großen Personage im Buch immer wieder herausgefordert. Er hat so viele verschiedene Insekten, Vögel und Säugetiere gemalt und jedem eine Persönlichkeit gegeben, das ist wirklich beeindruckend. Max‘ Talent hat auch der Boje Verlag ziemlich schnell erkannt. Ich denke, seine Gabe war ein entscheidender Grund, das Buch überhaupt zu machen und ihm später auch einen solchen Stellenwert im Verlagsprogamm zu geben. Sie konnten gar nicht genug von seinen Illus kriegen, und er hat dann glaube ich insgesamt 80 Illus angefertigt. Ein Wahnsinn. Als die Geschichte fast fertig war, haben wir uns dann mal getroffen und an einem Storyboard entschieden, welche Zeichnungen „dran glauben“ müssen.   

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Meine Mädels sind begeistert von der App, in der sie zum Beispiel Melodien pupsen können. Auch die ist so liebevoll und mit vielen Details erstellt. Wie lange habt ihr daran gearbeitet?

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Über ein Jahr. Die Hauptarbeit lag hier vor allem bei Max, der die Illus beigesteuert hat, und ZDF digital (Programmierung) sowie bastei entertainment (Koordination). Die Spielideen kommen von Max und mir, konnten aber nur durch die Teamarbeit aller Beteiligten so realisiert werden, wie sie jetzt in der App zu sehen sind.

Ich frage jetzt mal nicht nach der Leibspeise von Luna aber habt ihr ein Gericht, was euch mit der Arbeit an Luna verbindet? Was ihr zum Beispiel gemeinsam gegessen habt und bei dem euch im Verlaufe eines entspannten Abends tolle ideen kamen? Altbier mit Currywurst und Pommes lasse ich nicht gelten.

Ich muss dich enttäuschen. Während der Arbeit nicht. Aber es gibt zwei Mahlzeiten, die ich immer mit Luna in Verbindung bringen werde. Die eine ist eine Pizza mit Ruccola und Parmaschinken. Bei der Buchmesse in Frankfurt 2013, da war das Buch noch gar nicht fertig, waren Max und ich vom Verlag in eine Trattoria eingeladen worden. Max konnte leider nicht. Ich kam als letzter in die Runde und irgendwie kam meine Pizza nicht. Man hatte mich vergessen. Meine Lektorin Anja Bauseneick, die mir gegenüber saß, schien ihre Pizza nicht essen zu wollen. Jedenfalls unterhielt sie sich angeregt. Also opferte ich mich. Ich hatte ihre Pizza schon fast verputzt, als sie sich doch noch entschloss etwas zu essen. Sie staunte nicht schlecht, als sie den leeren Teller sah, und ich bin vor Scham auf den Trattoria-Boden gesunken. 
Die andere ist eine Nachspeise. Als wir Manuskript und Zeichnungen endlich abgegeben hatten, sind wir vom Verlag nach Köln eingeladen worden. Wir haben hier in Düsseldorf bei der Konditorei Heinemann zur Feier des Tages eine Schachtel Petit Fours gekauft und sie noch auf der Hinfahrt im Zug mit Luna-Fähnchen verhübscht. Die haben wir den Damen zur Feier des Tages geschenkt. Ich habe noch nie so köstliche Törtchen gegessen.

Danke lieber Matze, es ist so schön, dich hier zu haben. Ich wünsche euch, dass das Buch so ein Megaerfolg wird, wie es das verdient hat und es noch mindestens 5 tolle Abenteuer mit der tapferen Luna gibt.

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