Liebe Gäste in der Heldenküche – Ulrike Lilienbecker

Was ist ein tolles Essen schon ohne nette Gäste? So gut wie nichts. Die gesellige Runde mit interessanten Menschen und tollen Gesprächen machen ein gutes Essen doch erst so richtig rund. Deshalb lade ich mir hier nette Menschen ein. Sie haben nicht immer unbedingt mit dem Thema Kochen zu tun, sondern haben einen besonderen Beruf oder eine besondere Leidenschaft, von denen sie hier ein bisschen plaudern. Setzt euch doch dazu!

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Den Anfang macht Ulrike Lilienbecker. Wir kennen uns nun schon Jahrzehnte. Anfangs nur privat, doch im Laufe der vielen Jahre und vor allen Dingen tollen Projekte, die Ulli zusammen mit ihrem Mann Jens schon so auf die Beine gestellt hat, haben wir auch beruflich einiges gemeinsam gemacht. Es war mir immer eine große Freude, denn Ulli ist sehr strukturiert und hat ganz klare Vorstellungen, von dem was sie will.

Liebe Ulli, bitte stell dich doch kurz vor.
Ich bin Ulrike Lilienbecker, 47 Jahre alt Geographin, Produktentwicklerin, Slow-Food-Mitglied und leidenschaftliche Köchin. Vor einigen Jahren habe ich zusammen mit meinem Mann Jens eher durch Zufall das Jagdschloss Fasanerie in Herrmansfeld in der Rhön bewirtschaftet und auch bewohnt. Zunächst mit einer kleinen Mannschaft, später stand ich selber in der Küche. Gekocht habe ich schon immer sehr gerne, das Kochen für viele Gäste auf einmal musste ich lernen. Da mir aber strukturierte Abläufe sehr liegen und ich es liebe, wenn mit einem guten Team jeder Handgriff sitzt und man sich gemeinsam dem „Küchentakt“ hingibt, ist mir das nicht schwergefallen.

Du hast während eurer Zeit in der Fasanerie die Marke WILD UND GRÜN entwickelt,
wie kam es dazu?
Zur Fasanerie gehörte auch ein kleines Lädchen, in dem wir Dinge wie Postkarten, Servietten, Dekoartikel und Saisonales verkauft haben. Hin und wieder auch selbstgekochte Spezialitäten aus unserer Küche. Die waren immer ruckzuck ausverkauft. Mir selber blieb leider keine Zeit, die Spezialitäten regelmäßig und in größeren Mengen herzustellen. In der Region gab es jedoch viele Frauen, die eine berufliche Perspektive suchten. Wir haben uns also zusammen getan. Ich habe die Marke und das Konzept entwickelt und die Frauen haben Wildbeeren gesammelt und nach meinen Rezepten Marmelade, Sirups und Kuchen im Glas hergestellt. Ich hatte mich in dieser Zeit schon intensiv mit der Wildkräuterküche auseinandergesetzt und viel mit den Kräutern und Früchten gearbeitet, die im Biosphärenreservat der Rhön quasi vor der Haustüre wachsen. Der Name der Marke ist deshalb „WILD UND GRÜN“.

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Die Marke entwickelte sich prächtig. Eine Zeitlang konnten wir sogar eine sehr große Menge unserer Marmeladen und Kuchen im Glas an Dallmayr in München verkaufen. Unsere Frauen waren so stolz. Unsere liebe Frau Mayer ist sogar das erste Mal in ihrem Leben vom Land nach München gefahren um sich unsere Gläser im Regal von Dallmayr anzuschauen. Auch in der Presse wurden wir beachtet. Der Feinschmecker berichtete über uns und andere Zeitschriften folgten. Wir waren damals das erste Unternehmen in Thüringen, das sich der Slow Food Bewegung angeschlossen hat und haben eine ganze Menge in der Region bewegt. Zusammen mit anderen Produzenten haben wir die „Best-of-Biosphäre“ Initiative gegründet, die zum Ziel hatte, herausragende Produkte, Dienstleistungen und Konzepte aus dem Biosphärenreservat Rhön gebündelt zu bewerben.

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Nach sieben Jahren als Pächter im Jagdschloss Fasanerie hatte die Gemeinde andere Pläne mit dem Objekt und wir sind ins unterfränkische Sulzdorf gezogen um uns wieder voll auf unser Hauptgeschäftsfeld, die Regionalentwicklung zu konzentrieren. WILD UND GRÜN ist uns allerdings sehr ans Herz gewachsen und wir betreiben nun einen Online-Shop mit unseren Spezialitäten und bieten eine professionelles Catering und Eventservice für Hochzeiten, Tagungen und Feiern in Franken und Thüringen mit gesunden regionalen Lebensmitteln, vielen Bioprodukten sowie vegetarischen und veganen Grerichten und Fingerfood an. In regelmäßigen Abständen gibt es unsere WILD UND GRÜN Abende, bei denen wir kleine und ungewöhnliche Slow Food Köstlickeiten aus unserer WILD UND GRÜN Genussmanufaktur anbieten

WildundGruen2007_050Hast du Vorbilder? Menschen, die dich inspirieren, dir Anstöße geben und Motivation?
Da gibt es ganz viele. Bei allem, was ich tue, schaue ich mir die Menschen an, die das jeweilige Thema perfekt beherrschen. Als ich mich intensiv mit der Wildkräuterküche beschäftigt habe, habe ich z.B. Jean Marie Dumaine besucht oder bin zu Oskar Marti in die Schweiz gefahren. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Menschen, die etwas wirklich mit Leidenschaft betreiben und richtig was drauf haben, ihr Wissen auch gerne teilen und keine Geheimniskrämerei daraus machen.

Früher habe ich die Kochsendungen von Martina Meuth und Bernd Neuner-Duttenhofer geliebt. Ich habe mir sogar Freitags Abends den Wecker gestellt, damit ich auch ja keine Sendung verpasse. Vor einigen Jahren habe ich die beiden auf der Slow Food Messe persönlich kennengelernt und sogar schon für sie gekocht. Wir waren uns so sympathisch, wie ich es mir vorgestellt habe. Und es war mir eine Riesenfreude, die beiden zu bekochen und Anerkennung von meinen Helden aus der Jugendzeit zu erhalten.

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Kannst du dich an ein Gericht aus deiner Kindheit erinnern, mit dem du ein wohliges Gefühl verbindest? Was war es und wer hat es dir gekocht?
KARTOFFELBREI!! Nichts ist tröstlicher und wärmender als frisch gestampfter Kartoffelbrei aus wirklich guten Kartoffeln. Am liebsten mit etwas Knusprigem dazu, wie z.B. frittierten Kräutern. Gekocht habe ich ihn selber. Meine Mutter war berufstätig und hat uns immer morgens schon gekocht, was wir mittags dann warm gemacht haben. Das mochte ich mit der Zeit nicht so sehr und habe lieber selber frisch gebruzelt.

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Eine Gabe, die du nicht besitzt wird dir geschenkt, welche ist es?
Ein grüner Daumen!! Ich bemitleide die armen Kräuter, die ich angepflanzt habe und all die schönen Pflanzen in unserem großen Garten. Sie sind sehr auf sich allein gestellt und nur die wirklich harten können bei uns überleben.

Liebe Ulli, ich danke dir sehr für dein Interview. Es hat mir wie immer großen Spaß mit dir gemacht. Für mich bist du jedesmal wieder eine große Inspiration und ich bewundere deinen Elan und deine Tatkraft, mit der du schon so vieles bewegt hast. Alles hat gar nicht Platz gefunden in diesem „kleinen“ Interview. Du musst mich also auf jeden Fall noch einmal besuchen, und von weiteren Projekten berichten.

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