Nina Thomas, eine Heldin am Herd. Und an der Kamera.

Erinnert ihr euch noch an den wunderschönen Film, den Nina Thomas und Bernd Kliebhan letzten Sommer für die Sendereihe „Hessen à la carte“ des HR Fernsehens hier gedreht haben? Für alle, die ihn verpasst haben, ist er noch kurze Zeit in der Mediathek abrufbar. Das war ein wirklich grandioser Tag für uns und wir waren sehr beeindruckt, wie liebevoll Nina diesen Film zusammengeschnitten hat. Und noch viel beeindruckter war ich, als wir ein bisschen ins Plaudern kamen und sie erzählte, was für einen Traumjob sie hat. Sie sucht sich die Themen für die Beiträge der Sendereihe selber aus. Hauptsache es geht um Essen und findet in Hessen statt. So hat sie auch uns zufällig im Internet gefunden. (Alleine dafür hat es sich also schon gelohnt, dass wir seit 4 Jahren in Hessen wohnen). Sie recherchiert, filmt, schneidet und vertont alles selber. Und lernt dabei natürlich die ungewöhnlichsten Menschen kennen, die alle die große Leidenschaft für das Essen und Genießen teilen. Ganz klar, dass ich natürlich sofort ein Azubi bei Nina sein wollte. Leider bin ich ein Nullbon an der Filmkamera und könnte höchstens als Kabelträger dienen. Nina hat aber gar kein Kabel an der Kamera. Sie war jedoch so nett, mich einmal mitzunehmen, wenn sie eine Reportage macht. Und so habe ich mich einen Tag lang an Ninas Fersen geheftet um zu schauen, wie so ein Drehtag denn abläuft. Als sie nämlich bei uns war, war ich ja selber viel zu aufgeregt, um zu registrieren, was da hinter der Kamera so passiert. Ich durfte also mit ins das Restaurant Flavors im Sheraton Frankfurt Airport Hotel, wo uns der tiefenentspannte Küchendirekter Klaus Böhler äußerst sympathisch empfing und schon mal mitteilte, dass für die Pause zwischendurch der Champagner kalt gestellt sei. (NINAAAA!!! Ich. Will. Diesen. Job.!!!!!)

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Klaus Böhler und sein ebenso netter Assistent Adrian Kaiser plauderten all ihr Fachwissen über Spargel aus, kochten mit leichter Hand ein paar Geschmacksbomben mit den tollen Stangen und Nina filmte und interviewte die beiden. Ich habe euch ein paar Fotos von diesem Tag mitgebracht. Viel toller sind aber die bewegten Bilder dazu, die ihr am

Samstag, 07.05.2016
16:30-17:00 Uhr im HR Fernsehen schauen könnt.
Spargel satt
aus der Reihe Hessen à la carte
von Nina Thomas

Wer das verpasst, kann auch am Sonntag um 7.15 Uhr die Wiederholung schauen, oder den Film ein Jahr lang das in der Mediathek abrufen.

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Ich habe Nina ein paar Fragen gestellt, weil ich doch so gerne wissen wollte, wie man denn bitte schön zu so einem Job kommt.

Also Nina, verrate dein Geheimnis! Wie hast du es gemacht? Welche Ausbildung hast du? Welche Stationen in deinem Leben haben dich bis hierher geführt?
Ich habe vor 42 Jahren beim Hessischen Rundfunk angefangen (ja, mal rechnen, so alt bin ich…) Das war das ganz große Glück, denn dort habe ich nicht nur superinteressante Jahre verbracht, sondern auch meinen Mann Bernd kennen gelernt.
Ich habe eine Ausbildung zur Filmcutterin gemacht, so richtig mit weißen Handschuhen, großen Filmrollen und schwerer Klebelade.
Wenn ich noch an meine erste Assistenz beim Tatort denke – was war ich stolz!
Dann kamen die technischen Veränderungen: der Film verschwand, zuerst kamen verschiedene Videosysteme und jetzt drehen wir auf Karten und schneiden am Computer. Ich fand das immer spannend.

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Mit der Technik hat sich auch der Beruf verändert: wir haben z.B. auch im Ü-Wagen vor Ort geschnitten und ich war mehrmals bei den Filmfestspielen in Cannes.
Parallel zum Scheiden habe ich mit meinem Mann in der journalistischen Ausbildung gearbeitet, er ist Redakteur. Dabei habe ich selbst am meisten über das Fernsehmachen gelernt. Die aufregendsten „Einsätze“ waren verschiedene Workshops in Fernsehstationen in Afrika (Ghana, Kamerun, Guinea, auch im Oman…)
2003 fing der hr mit dem Videojournalismus ( VJ) an: drehen, schneiden, texten etc alles in einer Hand.
Da dachte ich: das kann ich auch, habe die Ausbildung gemacht und bin seit 2004 Veejane (wie bei uns die VJ-Frauen heissen).
Und es war klar: ich will Kochreportagen machen.
Seit den 80er Jahren gibt es die Sendung Hessen à la carte von meiner Kollegin und Freundin Michaele Scherenberg. Wir haben seitdem zusammen gearbeitet und auch die VJ-Ausbildung gemeinsam gemacht. Und ich kann es eigentlich immer noch nicht glauben, wie wir das geschafft haben, dass die Sendung noch existiert und wir abwechselnd in großer Freiheit diese Reportagen machen dürfen.
Denn schon als Teenager war mein größter Wunsch, mal in eine Restaurantküche zu gucken…
Ich liebe einfach alles, was mit Kochen und Genießen zusammenhängt.

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Gibt es einen Filmbeitrag, der dein absoluter Liebling ist? Und warum ist er es?
Ich liebe eigentlich die meisten meiner Filme, aber „Lieblingsrezepte beim Italiener“ ist doch was besonderes: weil die Italiener klasse sind und temperamentvoll erzählen und die Küche meine Lieblingsküche ist. Er ist schon ein paar Jahre alt, aber in der Mediathek noch vorhanden:
klick.

Gibt es einen Traumfilm, den du noch drehen möchtest? Welcher ist das?
Essen und Wein in Neuseeland. Aber den hessischen Bezug herzustellen ist da ein bisschen schwierig…

Du betreibst auch einen Foodblog und einen Reiseblog . Gibt es überhaupt Zeiten, in denen du auch ganz ohne Kamera auskommst?
Bei den Reisen dreht ja hauptsächlich mein Mann. Und ich gehe sehr gerne essen ohne die Kamera. Da kann ich mich doch ganz anders auf die Köstlichkeiten auf dem Teller konzentrieren und sie sogar warm genießen!

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Danke an Nina für das schöne Interview! Es war wirklich ein ganz wunderbarer Tag für mich. Ich habe es sehr genossen, die Vollprofis vor und hinter der Kamera zu beobachten und zu schauen, mit wieviel Liebe und Leidenschaft sie ihren Berufen nachgehen. Sie haben feste Grundsätze, ein tiefes Verständnis für Kochen und Genuss und eine begeisternde Kraft, die sie voran treibt. Nina vereinbart das außerdem mit einer unvoreingenommen Neugier gegenüber Menschen und Gerichten und das ist es wohl, was ihre Reportagen so ausmacht.

Ich habe an diesem Tag übrigens die beste handgerührte Sauce Hollandaise gegessen, die die Welt gesehen hat. Ich schwöre, ich hätte darin baden können. Habe bisher nie verstanden, was an dieser fettigen, schweren Sauce denn so toll sein soll, aber ich hatte sie auch noch nie so gegessen, wie Adrian Kaiser sie in minutenlanger Schneebesenakrobatik zusammengerührt hatte. WELTKLASSE: Wer mir nicht glaubt, bucht jetzt sofort einen Platz im Sheraton Restaurant am Frankfurter Flughafen und probiert selber. Da kommt diese Sauce für jeden Gast handgerührt auf den Teller. Ehrensache.

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