Kochen für Kinder. Die Königsdisziplin.

Kochen für Kinder ist die schwierigste aller Kochdisziplinen. Sie sind die schärfsten Kritiker, gewähren keine mildernden Umstände wegen stundenlangen Aufwands, den man für das Zubereiten einer Mahlzeit verwendet hat, lassen die Stimmung am Tisch einfach gnadenlos von einer Sekunde auf die andere für alle Beteiligten kippen, wenn ihre Miene puren Ekel beim Anblick der Mahlzeit spiegelt und probieren auf keinen Fall, bevor sie ihr vernichtendes Urteil fällen, wenn schon die Optik nicht nach ihrem Geschmack ist. Ich weiß ganz genau, warum bei manchem Sternekoch zu Hause der Frau das Versorgen der Kinder überlassen wird. Der nöligste Gast im Restaurant ist immer noch leichter zufrieden zu stellen als die Brut zu Hause. Ich bin ja eh fein raus, bin in der Küche ein Honk (Hilfsarbeiter ohne nennenswerte Kenntnisse) und überlasse dem Helden das Feld. Es gibt durchaus auch manchmal Zeiten, in denen die Kinder ohne zu murren einfach alles mitessen. Aber sobald man sich in Sicherheit wiegt, wird eine neue schwierige Phase eingeläutet, in der nichts mehr serviert werden darf, was gestern noch Lieblingsgericht war. Und in der man froh ist, wenn sich das ein oder andere Gericht neben Pommes und Nudeln findet, das Spuren von Gemüse enthält und von den Kindern gerne gegessen wird. Jahrelang war das Kürbissuppe. Auch dieses Jahr wurde erst heuchlerisch und begeistert nach der ersten Kürbissuppe des Herbstes verlangt. Der Held besorgte den Lieblingskürbis, kochte eine riesigen Topf der Lieblingskürbissuppe und erntete nach stundenlangem Küchendienst ein gnadenloses „Wuuuäääähhhhhh“.

Tja, da kann man dann die Fritteuse für Pommes anschmeißen, das Wasser für die Nudeln aufsetzen oder, wenn man ganz  motiviert ist, überlegen, wie man denn den sonst so geliebten Kürbis noch auf den Kinderteller bekommt. Der Held war ganz raffiniert und dachte sich: ich verstecke ihn in Nudeln. Oder noch viel besser in Wonton-Teig, den die Kinder sehr mögen. (Wer den nicht kennt: das ist Ravioli-Teig in der asiatischen Variante). Und er war so überzeugt von seiner Idee, dass er es wagte, die von den Kindern gehasste und von uns sehr geliebte rote Bete gleich mit in den Nudeln zu verstecken. Möööp. Großer Fehler. Die rote Bete hat ihre Farbe durch den Wonton-Teig schimmern lassen, was für die ersten Tumulte am Tisch sorgte. Optik hat schon mal versagt. Probiert wird also sowieso nicht, auch nicht die Wontons, die nur mit Kürbis gefüllt waren. Sieht man ja eh schon, dass das nicht schmecken kann. Uns hat es sehr gut geschmeckt und wird auf jeden Fall mit in die Liste der Lieblinge eingetragen. Also in unsere Liste. Vielleicht kreuzt sie sich in ferner Zukunft noch einmal mit der Lieblingsliste der Kinder. Oder vielleicht mit einer der Phasen-Lieblingsliste. Nur ganz kurz versteht sich. Damit es spannend bleibt.

Wir haben nun also große Vorräte an Kürbissuppe und ebenso große Vorräte an Wonton-Taschen. Mit Kürbis gefüllt. Und natürlich mit roter Bete. Ich denke manchmal über eine Erwachsenen-WG nach.

Für alle, die mit uns fühlen, oder zu Versuchszwecken das Gericht auch an den eigenen Kindern einmal auszuprobieren möchte, lasse ich das Rezept mal hier. Ich freue mich auch über Berichte.

Kürbis-Rote-Bete-Wontons
Rezept für ca. 15 Stück

je 350 g geschälter und gewürfelter Kürbis und rote Bete
2 EL Öl
400 g Ricotta
50 g Pecorino, fein gerieben
2 EL Majoranblätter, grob gehackt
2 EL glatte Petersilie, grob gehackt
Walnüsse, grob gehackt
Meersalz, schwarzer Pfeffer aus der Mühle
20 bis 30 Wonton-Teigblätter (gibt es im Asialaden)
fein geriebenen Pecorino und Walnüsse zum Servieren
50 g Butter und ein paar Majoranzweige

Den Ofen auf 200 Grad vorheizen. Die Kürbis- und rote Betewürfel auf ein mit Backpapier belegtes Blech in den Ofen schieben, mit Öl beträufeln und ca. 20 Minuten goldbraun backen. Ricotta, Pecorino, Majoran, Petersilie, Salz und Pfeffer vermischen. Die Hälfte der Wontonblätter auf einer bemehlten Fläche ausbreiten und in die Mitte die Ricottamischung, die Walnüsse und die Kürbis- und rote Bete-Würfel geben. Gemischt oder einzeln, ganz wie man es mag. (Die Kinder essen ja eh nicht mit). Die Teigränder mit Wasser bestreichen, mit den restlichen Teigblättern bedecken und die Kanten fest mit einer Gabel zusammendrücken.

Die Teigtaschen in Salzwasser 3 bis 4 Minuten bissfest kochen und abgießen. Die Butter mit dem Oregano in einer Pfanne erhitzen und leicht bräunen. Die Wonton-Taschen, den restlichen Kürbis und die rote Bete kurz dazugeben. Mit Pecorino und gehackten Walnüssen bestreut servieren.

Kommentare (2)

  • sehr witzig, scheint ein Massenphänomen zu sein, das mit der Kürbissuppe. Die ist bei uns auch irgendwie von der Hui- auf der Pfui-Liste gelandet. Eure Wontons habe ich nach Lesen der Überschrift (immer ein Fehler) dem Kind gezeigt, der sie sofort nach einem kurzen Blick abgelehnt hat („Das könnt ja Ihr essen“)…

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    • Auf jeden Fall immer wieder sehr tröstlich, dass wir nicht alleine sind 🙂 Also ich mein, ich ess das auch gerne alleine auf, könnte nur auf die explosive Stimmung am Tisch verzichten, wenn grad alles wuääähhhh ist.

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